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Perfekte Hundemamas – Gibt es sie wirklich?

Was wollen wir gegenüber unserer Kinder sein?

Guuuuuut wollen wir sein. Gerecht. Fair. Erziehung ist uns wahnsinnig wichtig.

Und dabei ist es egal, ob es um sabernde felllose kleine Zweibeiner oder sabernde behaarte große Vierbeiner geht.

Wir wälzen Bücher, studieren Foren, diskutieren, belehren andere unglaublich gerne eines Besseren, wenn es um die Erziehung deren Kinder geht. Im gleichen Zuge nießen wir ein VERPISSSS DICH, wenn uns jemand etwas zu unserem Erziehungsstil erzählen möchte. Sagt jemand, unser Kind sei unerzogen, wünschen wir ihm eine mittelschwere Pest an den Hals. Behauptet jemand, wir machen da etwas falsch mit ihnen, dann zuckt es in unserem Mittelfinger. Aber sowas von.

Wir streben nichts geringeres an als die Perfektion. Wie auch immer die für uns aussieht. Für manche ist es, und da komme ich nun zu den Vierbeinern, dass das Sitz beim ersten Wort sitzt (witzig… Sitz sitzt.. egal), ach was sag ich… beim ersten Sssssss sollte der Hund schon parieren. Bei anderen kann der Hund dann auch wahlweise ein Platz, Bleib oder ein „Leck mich am Hintern, du und deine dämlichen Kommandos, ich bin weg“ anbieten. Ebenso perfekt.

Perfekt ist kein fester Begriff, er hatte keine feste Definition. Und so ist es meist das Unperfekte, was so perfekt für uns ist.

Wir wollen tolle Eltern sein. Guuuute Eltern. Möglichst perfekte Eltern. Damit unsere felllosen und/oder behaarten Kinder ebenso toll und gut werden (perfekt sind sie für uns ja eigentlich schon).

Gelingt uns das?

Da sage ich ganz entschieden: JAAAEIIIN!

Kleines Beispiel gefällig? Habe ich natürlich auf Lager.

Gestern. Ich. Küche.

Ich gehöre zu denen, denen der Magen auch gerne mal nach 22 Uhr grummelt. Und grummelnde Mägen kann ich nicht leiden, also stehe ich auch mal zur späten Stunde in der Küche und mache wir was zu futtern.

Einer der Hunde hatte das ziemlich schnell begriffen: Patch.

Wo auch immer er um die Uhrzeit ist. Dösend im Wohnzimmer. Schlafend im Schlafzimmer. Es dauerte meist nur ein paar Sekunden, dann hörte ich ihn schon von irgendwo her traben.

Und weil ich das so süß fand habe ich, so unperfekt wie ich bin, ihm dann auch etwas gegeben. Gouda aus dem Kühlschrank. Nudeln aus dem Sieb. Dann saß er brav in der Küche vor mir, ja das Sitz musste dann schon sitzen….. so für’s gute Gewissen, er hat ja schließlich was dafür getan… naja, und bekam seinen kleinen Vor-Mitternachts-Schmaus.

Emmy und Luke sind nicht blöd und begriffen schnell.

Innerhalb weniger Tage standen dann gleich alle 3 bei mir in der Küche, sobald ich sie abends ab einer bestimmten Uhrzeit betrat. Und so bekamen sie dann alle etwas ab. Ich bin ja kein Unmensch. Also bitte.

Es dauerte nur wenige weitere Tage bis es mich nervte, nicht mehr ungestört in der Küche stehen zu können. Ständig belagert zu werden von 12 unruhigen Pfoten und 6 gierigen Augen und 3 sabernden Mäulern. Ich erinnerte mich daran, warum es Sinn machte, ihnen in der Situation nichts zu geben. Die 3 haben mich die letzten Tage toll konditioniert und ich hörte ihnen quasi auf’s Wort.

Das musste aufhören. Zumindest was diese Sache angeht. Also kehrte ich zurück zu meinem Guuuute Mutti sein, gerecht und fair und Erziehung ist voll wichtig und so und es gab nichts mehr, wenn ich abends in der Küche stand.

Keiner von den 3 bekam noch etwas. Ich ignorierte sie einfach.

Emmy begriff schnell und kam 2 Abende später schon nicht mehr. Sie hat den tollen Charakterzug, dass ihr vieles schnell viel zu blöd wird und einen dann gerne einfach stehen lässt, um das zu untermauern.

Luke verstand es kurz darauf. Also nicht wirklich. Vielmehr wurde ihm die unnütze Warterei zu lästig.

Nur Patch…. Naja, der glaubt einfach zu sehr an das Gute in mir.

Er blieb in der Küche.

Und ich blieb standhaft.

Bis gestern.

Als ich wieder in der Küche vor mich hin werkelte und zur Spüle ging, suchte Patch die Ecken am Boden ab, ob ich nicht doch ein kleines kulinarisches Geschenk für ihn hinterlassen hatte. Und anscheinend vom Vortag lag in einer Ecke eine ungekochte Nudel. Er schnappte sie sich direkt und zerkaute sie.

Es war so laut. Ich bis die Zähne und kniff die Augen zusammen. Ich ahnte Böses.

Meine Standhaftigkeit war kurz davor zu zerbröseln wie ein Keks.

Er blickte vorsichtig über die Schulter zurück zu ihm.

Er starrte mich an und sagte, ja also so quasi, alle Hundehalter verstehen, was ich meine, wenn ich beschreibe, dass ein Hund etwas sagt, die machen das mit den Augen, irgendwie…. also er sagte: „Ey Frauchen, wenn du so getan hast, als gäbe es hier nichts zu holen und da doch etwas war, dann gibt es ja vermutlich noch viiiiiiiel mehr davon irgendwo.“

Er gierte mich mit hungrigen Augen an. Hungry eyes…

Bevor ich wusste, was ich tun soll, hörte ich Emmy wie sie aus dem Wohnzimmer hinaus um die Ecke in die Küche schoß.

Verdammt. Sie hat die Nudel gehört.

Das wiederum blieb bei Luke nicht unbemerkt, der Nullkommanix aus dem Schlafzimmer heraus die Treppe hinunterstürzte, um ebenfalls in die Küche zu eilen.

Emmy schaute mich böse an und sagte: „Wie kannst du es wagen? Wie kannst du es wagen, IHM etwas zu geben, ohne dass ich anwesend bin und etwas abbekomme. Ich die Chefin. Ja, das willst du nicht hören. Aber seien wir mal ehrlich. Das ist in unserer Familie doch ein offenes Geheimnis, wer hier die eigentliche Chefin ist. Ich bin maßlos enttäuscht. Das hätte ich nicht von dir erwartet. Und wir sollen Seelenverwandte sein? Pffffff.“

Was für eine Predigt, denke ich mir und schaue zu Luke.

Der versteht nur Bahnhof. So guckt er auch.

Er ist einfach immer und prinzipiell auf ihrer Seite. Der alte Schleimer.

Da steht sie also die Lizbeth, die doch nur gut und gerecht und fair und perfekt für ihre Hunde sein will und wird gerade von eben diesen zum Buhmann der Nation erklärt, weil man sie gerade für genau das Gegenteil hält.

Mit dem Rücken an der Spüle schaue ich in 3 fordernde Gesichter.

Eines erwartungsvoll, eines angepisst, eines planlos.

Ich verdrehe die Augen, seufze, lasse die Schultern hängen und schlurfe zum Kühlschrank und packe den Gouda aus. 3 kleine Stücke.

Emmy, Luke. Patch, SCHNAPP.

Denn bevor die 3 denken, dass ich nicht gut bin, nicht gerecht und nicht fair, denke ich es lieber selber von mir.

Bin ich eben morgen wieder die perfekte Hundemutti. Oder Übermorgen. Oder.

Denn was die folgenden Abende kommt ist klar, oder?

Die Belagerung der Küche wird ihrerseits nun fortgesetzt, beharrlicher denn je.

Was ich damit sagen will?

So sehr wir uns auch bemühen, großartige Eltern für unsere Kinder zu sein, so sehr scheitern wir auch daran. Aber dann schütteln wir den Kopf darüber, lachen über uns und fangen wieder neu an. Jeder sucht seinen eigenen Erziehung-Weg und geht er ihn erstmal, dann stets sehr selbstbewusst und jeder, der einem mit „Ich-weiß-es-aber-besser-Sprüchen“ krumm und in die Quere kommt, fliegt runter vom Weg, Hochkant. Verpiss-dich-niesend und mit zuckendem Mittelfinger.

Wir sind gut und wir sind gerecht und wir sind fair und herrlich unperfekt perfekt. Und das wissen unsere Kinder. Egal ob es die sabernden felllosen kleinen Zweibeiner oder die sabernden haarigen großen Vierbeiner sind.

Manchmal verwenden sie es gegen uns. Immer lieben sie uns dafür.

Weil wir immer stets bemüht sind. Und das ist manchmal eben doch alles, was zählt und auf was es im Grunde ankommt.

Und die Moral von der Geschichte:

Sorge stets für einen sauberen Küchenboden. Eine einzige Nudel kann ich dich in große erzieherische Schwierigkeiten bringen.

Reimt sich nicht. Stimmt aber trotzdem.

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