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Facebook – Mein geliebter Feind

was ist nur aus uns geworden?

Seit einigen Tagen muss ich viel darüber nachdenken: über dich und über mich und über uns.

Ich merke, dass du dich veränderst, dass du dich entfernst, von mir, von uns.

Ich bin nicht böse darüber. Mein Brief wird keiner der unzähligen Hasstiraden, die du seit Monaten erhältst.  Ich weiß, du hast deine Gründe dafür.

Es macht mir einfach Angst. Angst, weil ich weiß und immer wusste, wie abhängig ich von dir bin. Wie einseitig unsere Freundschaft geworden ist, wird mir gerade in der letzten Zeit sehr bewusst.

So gerne habe ich dir von mir erzählt, Bilder gezeigt und damit tausende Menschen erreicht. Ich war eine der fleißigen Bienen, die dich stets mit neuen Infos gefüttert hat. Das hast du toll gefunden und es damit belohnt, meine Geschichten und meine Bilder anderen zu zeigen und sie auf mich aufmerksam zu machen.

Nur so konnte Lizbeth entstehen und wachsen und überleben. Du hast mir die Arbeit als Hundefotografin, meinem absoluten Herzensjob, überhaupt erst möglich machen können.

Dafür war ich dir stets dankbar. Haben sich andere über dich beschwert, habe ich dich in Schutz genommen.

Ich habe dich als das angesehen, was du bist: eine Plattform, über die man Menschen erreichen kann, wie über keine andere. Persönlich irgendwie.

Ohne dich wäre Lizbeth zukunftslos und ziellos gewesen.

Lizbeth hätte keine Chance gehabt.

Ohne dich.

Und Lizbeth hat keine Chance.

Ohne dich.

Und jetzt, wo ich merke, dass du mich immer mehr im Stich lässt, will ich es nicht wahrhaben.

Ich füttere dich weiterhin mit Infos und Bildern, bin weiterhin dein fleißiges Bienchen, doch von dir kommt kaum noch etwas zurück.

Dass Hasswort, das immer wieder mit dir in Zusammenhang gebracht wird, muss ich nun auch nutzen: Reichweite.

Ein nichtssagendes Wort, das für viele Seitenbetreiber, doch so essentiell wichtig ist. Denn ohne deine Hilfe, ohne die Reichweite, die du möglich machen könntest, werden wir nun nicht mehr gesehen. Die, von denen wir abhängig sind, die unser Geschäft sichern, die unsere Seiten am Leben und Laufen erhalten, nehmen uns immer weniger wahr. Weil du es so entschieden hast.

Aber das ist noch nicht mal das Schlimmste. Ich erwische mich dabei am Allerwichtigsten zu zweifeln: an mir selbst.

Die rückläufigen Likes und Kommentare führen dazu, dass ich mich frage: Ist meine Arbeit schlechter geworden? Sind meine Bilder nicht mehr so schön? Meine Worte nicht mehr so packend? Habe ich mich menschlich verändert, was sich nun auf meine Arbeit auswirkt? Was ist nur los mit mir?

Und obwohl ich mir sicher bin, dass es an dir und nicht an mir liegt, kann ich diese Gedanken nicht weit genug nach hinten drängen.

Jeder noch so fröhliche Beitrag wird zum Kampf. Und so sehr ich auch hinter meiner Arbeit stehe, gehe ich mit einem letzten Blick auf die Resonanz meiner Beiträge oft deprimiert und machmal sogar traurig ins Bett.

Ich will das so nicht und kann es dennoch nicht ändern.

Gestern Abend habe ich zufällig einen Sendung im Fernsehen gesehen, die ein paar junge Erwachsene über Wochen bei ihren Gruppentherapien begleitet. Oft ging es um Depressionen oder andere psychische Erkrankungen.

Ein Mädchen hat mich sehr berührt. Ein junges, hübsches Mädchen, das sehr sympathisch wirkte. Depressiv, nachdem sie vor Jahren in einen Autounfall verwickelt war. Er habe das Fass zum überlaufen gebracht, erzählte sie und dass sie dadurch in ein tiefes Loch gefallen sei und noch immer fällt. Sie sagte, dass sie modeln würde, tanzen, ihr der Zuspruch von anderen sehr wichtig sei. Sie stellt Fotos von sich auf Facebook und Instagram ein. Wenn sie für ihre Bilder viele Likes erhält, gibt ihr das ein gutes Gefühl, eine Bestätigung, doch etwas wert zu sein. Denn eigentlich hat sie das Gefühl, niemandem etwas und nichts wert zu sein. Erhält sie wenig Likes, stürzt sie das noch mehr in das dunkle Loch, in dem sie lebt. Man sieht, wie sich sich nachts in den Schlaf weint. So eine hübsche, sympathische, junge Frau.

Ich möchte ihr sagen, was für ein Quatsch das ist. Wie unwichtig doch die Meinung Fremder ist, dass sie ihre Wertigkeit doch nicht an hochgehobenen Daumen ausmachen kann. Das alles möchte ich ihr sagen.

Und ich möchte dich, Facebook, fragen, wie du es so weit kommen lassen konntest. Dass du nicht nur eine unpersönliche Plattform geworden bist, sondern ein Teil von einem, der über die eigene Persönlichkeit bestimmt, sie irgendwie auch veränderst, der die Menschen so fest im Griff hat.

Und dann fällt es mir ein: Mir geht es doch ganz genau so. Du hast das gleiche mit mir gemacht.

Wie wichtig mir die Meinung Fremder geworden ist, wie sehr ich meine Wertigkeit doch von hochgehobenen Daumen ausmache. Wie stark du Einfluss nimmst, ob ich zufrieden ins Bett gehe oder deprimiert oder sogar traurig.

Wie fest du mich im Griff hast.

Ich musste die Sendung ausschalten.

Jetzt, wo du mich immer mehr fallen lässt, wird mir die Konsequenz daraus nicht nur für mein Unternehmen bewusst, sondern nun auch für mich persönlich.

Ich habe Existenzängste wenn ich daran denke, dass meine Existenz zu einem großen Teil in deinen Händen liegt.

Ich bin auf dein Wohlwollen angewiesen, dass du es gut mit mir meinst.

Aber ob das reichen wird? Ich kann nicht noch mehr für dich da sein, dir nicht noch mehr von mir erzählen und zeigen, noch mehr Energie in dich hineinstecken, noch mehr Geld investieren. Das war alles ok, als du deinen Teil noch dazu beigetragen hast. Nun wird alles irgendwie anders.

Und ich habe Ängste um mich selber.

Werde ich es aushalten können, nicht mehr den Zuspruch zu erhalten, von dem ich bisher das große, große Glück hatte, ihn zu erhalten? Werde ich es aushalten, dass die Anfragen für Shootings weniger werden, weil ich weniger Menschen erreiche? Werde ich es aushalten, ständig an mir selbst zu zweifeln?

Werde ich das alles aushalten?

Immer wieder erwische ich mich bei dem Gedanken, dass es doch viel einfacher wäre, hinzuschmeißen. Sich den Stress und die Ängste nicht mehr zu geben, sich nicht mehr von dir abhängig zu machen, meinen Wert nicht mehr an Likes zu messen, aber ich weiß, ohne dich kann ich auch keine Hundefotografin mehr sein. Und das ist es doch, was ich bin: eine Hundefotografin. Ich liebe so sehr, was ich tue, es gibt nichts Schöneres für mich. Aber der stetige Kampf mit dir macht mich so müde.

Ich spüre schon, wie mein Rücken die Wand berührt und blicke dich sorgenvoll an.

Aber ich werde weitermachen, weiterkämpfen, weil es alles ist, was bleibt.

Ich werde weiter auf dein Wohlwollen hoffen und darauf, dass du es gut mir meinst.

Ich werde dich gut im Auge behalten und den Verlauf, den du nimmst, den wir nehmen.

Werde sehen, welche Wege du gehst und zusehen, wie du mich, ob ich will oder nicht, an deine Hand nimmst und mitziehst.

Du hast Lizbeth erst möglich gemacht.

Und du bist es, der sie zu Fall bringen wird.

Lizbeth und viele, viele andere, denen es so oder so ähnlich geht.

Die mit dir um ihre Kunden kämpfen, um ihr Dasein, ihre Zukunft, um’s Überleben.

Die sich schon nach Alternativen umgesehen haben, dich, das sinkende Schiff, verlassen möchten oder es schon getan haben.

Viele schreien schon seit geraumer Zeit: LÖSE dich von Facebook. Mach doch instagram oder noch besser Newsletter. Alles viel sinnvoller, um Menschen zu erreichen. Warum so abhängig machen? Ist Facebook tot, ist dein Unternehmen auch tot.

Tja, und genau so wird es sein. Dennoch wollte ich dir, facebook, stets die Treue halten. Weil ich dich mag. Ich mag, was du bist und wie viel Potential in dir steckt. Du hast mir die Augen für den Tierschutz geöffnet, du hast Lizbeth möglich gemacht, du hast Hunde ihre Familien finden lassen, du hast Tränen getrocknet, wenn Menschen ihre Seelentiere gehen lassen mussten, du bringst die Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, zum Leben. Du bringst mir die Welt in mein Wohnzimmer. Du machst mir den Blick über den Tellerrand möglich, der mir so wichtig ist. Das habe ich immer an dir gemocht. Und darin bist du einfach einzigartig.

Doch ich weiß, wenn du mich fallen lässt, wirst du das tun, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken.

Denn eigentlich bin ich dir völlig egal, du betrachtest mich mit gleichgültigen, emotionslosen, seelenlosen Augen.

Ich muss begreifen, dass du das bist: gleichgültig, emotionslos, seelenlos.

Das, was dir Leben einhaucht, Emotionen, Seele, Persönlichkeit, das sind all die Menschen, die hinter dir stehen, die dir, wie ich es tue, von sich und ihrem Leben erzählen. Die dich daran teilhaben lasse, wie schlecht die Presse dich auch gerade macht.

Wenn sich diese Menschen nicht mehr zusammenfinden, du sie wegstößt und gehen lässt, dann wirst du tot sein. Nichts und niemand kann ohne Seele bestehen.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass eigentlich du es bist, der von mir abhängig ist, von mir und den abertausenden Menschen, die von sich erzählen und damit deine Plattform persönlich machen.

Eine Erkenntnis, die mir nichts nutzen wird.

Du sitzt am endlos langen Hebel und hast einfach alles und alle in der Hand.

Ich werde trotzdem bleiben und kämpfe.

Um Lizbeth, um dich und um uns.

In der Hoffnung, dass der Kampf lohnen wird.

Vielleicht erreicht dich dieser Brief und macht dir klar, wie wichtig Lizbeth dir ist und all die abertausenden Seitenbetreiber, denen du seit Monaten immer stärker vor den Kopf stößt. Dass du weitermachst, mit dem, was du begonnen hast: Unternehmen entstehen zu lassen, wachsen zu lassen, überleben zu lassen. Großartiges möglich zu machen. Einzigartiges.

Wenn dich dieser Brief nicht erreicht, wird er doch einen großen Nutzen haben: Er hat mich erreicht. Ich musste es mir von der Seele schreiben. Mir klar machen, wohin unsere Reise nun geht. Mir bewusst machen, was das alles hier bedeutet.

Mein lieber Freund Facebook,

was ist nur aus uns geworden?

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