Das Leben ruckelt….

Das Leben ruckelt, wenn es in den nächsten Gang schaltet.

Und bei mir hat es im letzten Jahr nicht nur geruckelt, es hat gerrrrrtschtrrr. Dieses fiese Geräusch, wenn man schalten möchte, aber die Kupplung nicht sauber durchdrückt. Das Geräusch, bei dem man die Nase rümpft, die Mundwinkel zurückzieht und sich sagt, das man sich mit so einem Kuppeln gleich das Hupen sparen kann.
Man will in den nächsten Gang schalten, aber es klappt einfach nicht direkt. Man macht es nicht richtig, nicht „sanft“ genug, mit zu wenig Geduld und bekommt es gleich mit einem fiesen „RRRRRTSCHTRRR“ quittiert.
So verlief mein letztes Jahr. Ich versuchte unbedingt, in den
nächsten Gang zu schalten und es ruckelte und rrrrrtschte.

Aber was sorgte für diese fiese, ruckelige Schaltung in den nächsten Gang und warum war es deswegen so ruhig bei mir?

Ich könnte euch sagen, das war, weil ich so wahninnig viel zu
tun hatte. So viele Shootings, so viel Arbeit, so viel
„Lizbeth“…
Das wäre für mein Business klüger, aber das wäre schlichtweg gelogen.
Was Lizbeth angeht, war es das stillste Jahr bisher, wenige Shootings, wenig Arbeit.
Aber was mich persönlich angeht, war es das lauteste Jahr.
In mir wütete ein fürchterlicher, ohrenbetäubender Sturm und das war das, womit ich wahnsinnig viel zu tun hatte: mit mir selbst.
Ich war permanent erschöpft, dauerhaft überlastet, überfordert mit allem, bewegte mich immerzu am Rand des totalen Zusammenbruchs und „durfte“ erfahren, dass die „Aufschieberietis“ zwar lustig klingt, aber unglaublich belastend ist. Das habe ich alles gemerkt, ganz bewusst so wahrgenommen und konnte es doch nicht ändern.
Rückblickend empfinde ich es so, dass ich das komplette letzte Jahr in einem Nebel herumlief. Ich sah nicht, wo ich her kam, ich sah nicht, wo mein Ziel war, ich fand meinen Weg nicht und fühlte mich verloren.
Ich hatte mich selbst verloren.
Aber, und das war das Beste, das ich machen konnte: Ich ging weiter, jeden Tag. Manchmal schaffte ich an einem ganzen Tag von einer riesigen 2-do-Liste nur einen einzigen Punkt und das feierte ich und wenn es nur eine Mail war, die ich beantwortete oder duschen…
Ich blieb nie stehen und hatte immerzu Emmys Satz im Ohr:

„Vertrau auf die Zeit, alles kommt, wie es kommen soll!“

Und das tat ich. Ich vertraute…
Ziemlich genau zum Jahreswechsel hatte ich Zuhause einen Zusammenbruch. Einer der alles aus dir herauspustet, was dich viel zu lange belastet hat.
„Wo warst du denn nur?“, hörte ich in mir immer und immer wieder.
Ich spürte, wie der Druck weniger wurde, wie der Nebel sich legte, alles wieder klarer wurde. Ich fand endlich zurück zu mir.
Wohl auch mit der Unterstützung von hochdosiertem Eisen, denn einige Wochen vorher erfuhr ich, dass mein Eisenspeicher im Keller war und das bereits seit Jahren. Ich glaube nicht, dass es das war, was mich aus dem Nebel zog, sondern dass es mir den Schups gab, den ich brauchte, um selber herauszufinden.

Und nun stehe ich hier, schaue auf das nebelige Tal zurück, in dem ich so lange umher geirrt bin und bin stolz, sehr, sehr stolz, dass ich mich durchgekämpft habe und stark geblieben bin, obwohl ich mich so viele Tage so schwach gefühlt habe.

Warum ich euch das erzähle? Ich weiß es nicht. Eigentlich wollte ich euch nur kurz ein kleines Hallo aus der Versenkung
schreiben. Mich zurückmelden und sagen:
Ich bin endlich wieder da! Ja, ich bin endlich wieder da!
Aber ich habe die letzten Jahre so viel persönliches geteilt
und es hat mir immer gut getan, offen und ehrlich zu sein.
Deswegen möchte ich auch hier offen und ehrlich sein, zu
mir und zu euch.

Das letzte Jahr hat mich fast zu Fall gebracht, aber stattdessen
hat es dafür gesorgt, dass ich endlich zu mir gefunden habe. Ich war so lange nicht mehr ich selbst, dass ich gar nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin. Und das habe ich die letzten Wochen herausgefunden.

Und ich habe „Lizbeth“ mitgenommen. Denn auch Julia und
Lizbeth hatten sich verloren. Sie waren nicht mehr eins. Meine Angebote fühlten sich nicht mehr stimmig an. Also setzte ich mich hin und erinnerte mich daran, was mir bei meiner Fotografie wichtig ist.

Daraus entstand ein ganz neues Shooting:
Odelali – Kinder, welch ein Tag! Ein Shooting zum Erinnern.
Meine Porträtshootings bekamen einen neues, kunterbuntes Gewand und heißen nun
BOOYAH – Ein Charaktershooting für Lieblingshunde.
Was geblieben ist, sind meine
Regenbogenshootings und meine
ehrenamtlichen Shootings für Tierschutzhunde. ❤️

Ich wollte euch schon so lange wieder schreiben.
Denn ich habe das sehr vermisst, das Schreiben.
Und ich freue mich gerade, weil ich mit diesem Text wieder ein Stück mehr zurück zu mir gefunden habe.
Und das mit euch an meiner Seite.
Danke, dass ihr nicht nur durch Konfettiregen mit mir tanzt,
sondern mich auch durch die stille Zeit begleitet habt.
Danke für euch!
Danke für dich!

Dieses Bild von Emmy kam mir direkt in den Sinn, als ich über das Ruckeln im Leben schreiben wollte.
Ich habe es vor ziemlich genau 6 Jahren von ihr gemacht zum Tag des Duftbaums. 😅

Emmy war einfach die Obercoolste! 😎 ❤️

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen