Luke 🩷
Die letzten beiden Wochen waren eine Achterbahn.
Voller Euphorie in die Höhe und voller Sorgen wieder hinab in die Tiefe.
Und das im stetigen und verlässlichen Wechsel.
Seit Monaten steht nach einem Besuch bei unserem Tierarzt bei Luke die Diagnose „Kehlkopflähmung“ im Raum.
Das einzige Symptom bisher: man hört Luke teilweise atmen, wenn er liegt und/oder schläft. Es wird nicht doller, aber eben auch nicht besser.
Luke wirkt dabei entspannt, es macht nicht den Anschein, dass ihn das irgendwie belastet.
Aber bei mir bewirkte es nach und nach genau das Gegenteil:
Ich wurde immer unentspannter in seiner Gegenwart und nicht zu wissen, was los ist, belastete mich mehr und mehr.
Ich zog es sogar immer wieder vor, nicht im Schlafzimmer zu schlafen, weil mir Lukes Atmen den Schlaf raubte, auch wenn er seinen weiterhin fand.
Also entschied ich mich, mit ihm einen Spezialisten für Kehlkopflähmung zu besuchen. Der Termin war vorletzte Woche abends um 17 Uhr, knapp 1,5 Stunden von unserem Zuhause entfernt.
Ich erhoffte mir Antworten auf meine Fragen und endlich etwas Sicherheit.
Aufgrund der unzählig vielen guten Bewertungen des Arztes war ich total guter Dinge.
Luke, der mittlerweile schon stolze 14 Jahre alt ist, hechelt nur in 2 Situationen: wenn es sehr heiß ist und wenn er lange im Auto sitzen muss. Das Autofahren stresst ihn seit er bei uns ist.
Nach der längeren Autofahrt zum Doc hechelte Luke also und als wir kurz danach ins Behandlungszimmer kamen und ich dem Arzt erzählte, dass ich mir unsicher sei, ob es bei Luke tatsächlich um eine Kehlkopfähmung gehe und ihm erklären wollte, warum ich unsicher bin, unterbrach mich der Arzt ziemlich direkt:
„Das ist ganz klar eine Kehlkopflähmung!“, während er dabei bestätigend grinste. Ebenso die Arzthelferin.
Mir war nicht nach grinsen, denn auch wenn ich mit der Diagnose gerechnet hatte, so traf mich dieser Satz doch sehr.
Wir sprachen kurz, viel zu kurz über Luke, er schaute sich kurz die Befunde an, viel zu kurz, die ich vorher gemailt hatte und quittierte den Ultraschallbefund von vor einem Jahr mit: Der sah ja nicht so gut aus!
Ja, Luke hat mittlerweile einige Baustellen (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Schilddrüsenunterfunktion, ein Knubbel an der Leber, Sodbrennen, Unverträglichkeiten,…). Aber darüber sprachen wir nur teilweise und nur am Rande, weil er nach Medikamten fragte.
2 Minuten später schob mir der Arzt seinen Laptop zu und zeigte mir wie ein normaler Kehlkopf ausschaut und wie einer, der nicht mehr richtig funktioniert.
Er klärte mich auch über die zwei OP-Möglichkeiten auf und schlug vor, die Endoskopie direkt zu machen mit anschließender OP. Währenddessen scrollte die Helferin hinter ihm auf ihrem Handy. Man merkte: das läuft hier einfach nach „Schema F“.
Über die Risiken informierte er mich, ich sage es mal „grob“. Er meinte zum Beispiel, dass Hunde nach der einen OP-Möglichkeit manchmal plötzlich versterben, warum wüsste man noch nicht.
Dass es bei Lukes Krankheitsgeschichte erhöhte Risiken gab, darüber sprachen wir nicht. Auch nicht über Lukes Symptome, nicht darüber, warum ich unsicher war. Er sprach über Luke, als einer von vielen mit dieser Diagnose, aber wir sprachen nicht über Luke. Luke ist nicht einer von vielen. Luke ist Luke. Ich fühlt mich nicht gehört und Luke als nicht gesehen
Es war abends kurz nach 5, Rosenmontag und ich musste innerhalb von wenigen Minuten eine Entscheidung treffen, auf die ich nicht vorbereitet war, denn als ich telefonisch den Termin vereinbarte, war keine Rede davon, dass ggf. direkt die Endoskopie mit anschließender OP durchgeführt werden würde.
Mein Bauchgefühl sagte mir die ganzen letzten Monate, dass es nicht so gravierend ist bei Luke, dass es nicht notwendig ist, dass wir so schnell und plötzlich eine OP machen sollten, seine Lebensqualität war bisher zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt, aber das, was der Arzt sagte, klang völlig anders: „Ein Hund mit der Diagnose kann von jetzt auf gleich ersticken.“
Auf wen sollte ich jetzt hören? Auf den Arzt oder auf mein Bauchgefühl?
Ich dachte an die unzählig vielen tollen und guten Bewertungen zu diesem Arzt und dass ich mich hier eigentlich sicher fühlen sollte, aber alles in mir schrie „NEIN!“. Alles in mir schrie: „Wir machen das jetzt hier nicht! Ich kann das so nicht entscheiden! Das hier reicht einfach nicht!“
Ich sagte, dass ich darüber nachdenken muss. Er empfahl mir als Plan B zwei Mittel mit denen er gute Erfahrungen gemacht hatte und meinte, ich könne 2, 3 Wochen warten und mich jederzeit melden, wenn etwas wäre.
Auf dem Weg nach Hause konnte ich kaum einen klaren Gedanken fassen. Dieser Termin hatte mich total überfordert, obwohl ich solche Gespräche kenne und schon über einige schwierige Diagnosen und Behandlungswege sprechen musste.
Mein Bauchgefühl war… wie kann ich es sagen… „erschüttert“. Ich stelle es komplett in Frage nach dem Gespräch.
Kann ich diesem Gefühl überhaupt noch vertrauen?
Das musste ich rausfinden und fasste den Entschluss, weitere Diagnostik durchführen zu lassen, auch wenn der Spezialist davon nicht gesprochen hatte.
Eine Woche später, also letzte Woche fand ein Ultraschalltermin statt, den wir eh schon vereinbart hatten. Unter anderem kam heraus: der eine Knubbel an der Leber ist größer geworden, ein zweiter ist dazugekommen. Vermutlich Krebs.
Morgen sind wir wieder bei unserem Tierarzt und besprechen das und lassen Blut abnehmen für ein aktuelles Blutbild.
Zusätzlich waren wir bei einer Osteopathin und haben mit Physio begonnen. Ein Termin bei der Tierärztin, die uns seit Jahren begleitet und auch ganzheitlich behandelt, steht noch aus. Und ja, auch mit Luke selber habe ich heute gesprochen, bzw. sprechen lassen. Auch das brauche ich für mein Bauchgefühl.
In all den Gesprächen die ich in den letzten beiden Wochen geführt habe, kamen immer mehr Fragen auf:
- Wie hätte Luke die Fahrt nach Hause nach dieser OP und eher spät am Abend überstanden, die ich alleine mit ihm hätte antreten müssen und wo er doch so gestresst ist beim Fahren?
- Wer wäre da gewesen, wenn es in den Stunden danach und eben dann mitten in der Nacht Zuhause Komplikationen gegeben hätte?
- Was hätten wir ggf. Zuhause erstmal vorbereiten müssen, um Luke bestmöglich nach der OP versorgen zu können (Futter, Treppen im Haus, Rundumüberwachung für die erste Zeit,…)?
- Wieso wurde nicht nach aktuellen Befunden gefragt, bzw. nicht angeraten, vorab Untersuchungen in Form von Ultraschall und Blut machen zu lassen, um den aktuellen Stand zu kennen?
- Warum wurde nicht nach Lukes Symptomen gefragt, nicht, ob und wie ihn Symptome belasten?
- Wieso wurde der Krankheitsverlauf nicht erfragt?
- Wieso haben wir nicht über erhöhte Narkoserisiken gesprochen, vor allem aufgrund seiner Leber, die sowohl beim letzten Ultraschall, als auch bei der letzten Blutuntersuchung bereits auffällig war (die Befunde lagen ja vor)?
- Wieso wurde zu keinem Zeitpunkt gefragt, ob Luke nüchtern ist?
Und auch wenn mir diese Fragen bei dem Gespräch mit dem Spezialisten nicht bewusst einfielen, so verstand ich doch, dass mir unbewusst die Antworten darauf fehlten und mein Bauchgefühl deswegen so laut aufgeschrien hat.
Nun werde ich erst einmal weiter selbst für die notwendigen Antworten sorgen und dann schauen wir weiter…
Heute bin ich froh, dass ich einer OP zu diesem Zeitpunkt nichts zugestimmt habe.
Wenn da etwas schief gelaufen wäre, ich gegen mein Bauchgefühl entschieden hätte, mit all den offenen Fragen, mit denen ich in die OP eingewilligt hätte…
Die Mittel, die uns der Spezialist als vorläufigen Plan B empfohlen hatte, haben zwischenzeitlich übrigens angeschlagen. Lukes Atmung ist viel ruhiger geworden, teilweise hört man ihn überhaupt nicht mehr.
Ob das nur eine kurzzeitige Besserung ist, ob wir nächsten Monat nochmal ganz neu entscheiden müssen, ob der Krebs an der Leber das viel größere Problem ist, ob noch andere Diagnosen auf uns warten,… das alles weiß ich nicht.
Was ich aber weiß ist, dass ich weiterhin meinem Bauchgefühl vertrauen werde. Dieses Gefühl ist ganz eng mit meinen Hunden verbunden und mit all den Jahren, die wir schon Seite an Seite leben. Niemand kennt meine Hunde so gut, wie ich.
Und ich werde prinzipiell Entscheidungen so treffen, dass ich das Gefühl habe, für sie das richtige zu tun. Wenn ich nicht weiß, ob etwas das richtige für sie ist, muss ich es eben zuerst herausfinden.
Sie haben ihr Leben in meine, bzw. in die Hände von mir und Oli gelegt und damit gehe ich nicht leichtfertig um. Niemals.
Ich überlege, mich nochmal mit dem Spezialisten in Verbindung zu setzen und über das zu sprechen, was mich so verunsichert, bzw. was mir „gefehlt“ hat. Ich möchte betonen, dass ich seine Fähigkeit als Arzt, bzw. Operateur nicht anzweifle, aber das Gespräch… davon habe ich einfach mehr erwartet.
Ebenso bin ich dankbar für die Empfehlung dieser Mittel, weil sie uns zumindest für diesen Moment geholfen und dafür gesorgt haben, dass ich wieder unbeschwert mit Luke das Bett teilen kann. Und das ist wirklich ein Geschenk. ❤️
Luke, vor unserem Termin bei der Physio heute ❤️
Ein Update einen Tag später:
Luke und ich waren heute nochmal bei unserem Tierarzt um den letzten Ultraschallbefund zu besprechen, den Termin beim Spezialisten und um Blut abnehmen zu lassen für ein aktuelles Blutbild. Das Gespräch mit ihm und auch die aktuellen Werte, die ich eben schon bekommen habe, haben nochmal bestätigt, dass mein Bauchgefühl recht hatte. Der (vermutliche) Krebs an der Leber ist aktuell unsere viel größere Baustelle, zusammen mit der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Luke macht dennoch auf ihn weiterhin einen sehr guten Eindruck und er schließt die Diagnose „Kehlkopflähmung“ nicht aus, aber stellt sie, so wie er Luke seit Jahren begleitet und ihn heute gesehen und gehört hat, in Frage. Ich werde Luke wie immer und weiterhin gut im Auge behalten. Wir werden schon den richtigen Weg für ihn und uns finden. ❤️


