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Arme Hunde gibt es nicht!

Ich schaue auf diesen Hund hinunter. Ich streichel seine Narben, berühre die Stellen, an denen niemals mehr Fell wachsen wird.

Es gibt kaum eine Stelle an seinem Körper, die nicht zeigt, wie tief und heftig all die Verletzungen an seinem Körper waren. Die Verletzungen, die in seiner Seele verursacht wurden, kann ich nur erahnen.

Als wir heute einen kurzen Spaziergang durch den Ort gemacht habe, blieben mir die Blicke nicht verborgen. Die Sonne schien, ich habe ihm keinen Mantel angezogen, er trägt ihn auch wenn es kalt ist nicht sehr gerne.

So waren seine Narben für jeden sichtbar, der sie sehen wollte. Ich sah die traurigen Augen der Menschen, die uns entgegen kamen, wie sich deren Mundwinkel nach unten verzogen und ihre mitleidsvollen Gedanken zu mir durchdrangen, die nicht anderes zu sagen schienen als: der arme, arme Hund.

Ich kenne diese Gesichter von Shootings in meinem geliebten Schlosspark in Neuwied. Ich kenne sie, wenn ich mich dort mit einem Hund im Rollstuhl getroffen habe, mit einem Regenbogenhund, dessen faustgroßer Tumor nicht zu übersehen war, mit einem Hund, der auf 3 Beinen fröhlich umher sprang. Und ich hörte schon damals von den jeweiligen Besitzern, wie schlimm sie es finden, dass man ihre Hunde als arm bezeichnet. 

Jetzt befinde ich mich selbst in dieser Situation und kann so sehr wie nie zuvor nachempfinden, wie es ihnen dabei geht.

Wisst ihr, was ich denke, wenn ich mit diesem Hund durch den Ort spazieren gehe?

Wisst ihr, was ich fühle, wenn ich dabei zu ihm hinuntersehe, ihn dabei beobachte, wie er sich durch diese für ihn (und oft auch für mich) merkwürdige Welt kämpft?

Ich bin so wahnsinnig stolz auf ihn! So wahnsinnig stolz!

Ich weiß nicht viel über seine Vergangenheit, aber das, was ich weiß und das was ich sehe, macht mir bewusst, wie viele Grausamkeiten er durchleben musste. Grausamkeiten geschaffen durch feige Menschenhand und Hunde, die es nicht besser wussten.

Dieser Hund ist durch die Hölle gegangen, mehr als einmal. 

Und dennoch stampft er wie ein Offizier mit strammem Schritt und glotzendem Blick durch meine kleine Welt. 

Er ist hingefallen, viele, viele Male. Und er ist aufgestanden. Jedes Mal wieder.

Unter Schmerzen, unter Schreien, unter größtem Leid… ist er wieder aufgestanden.

Er wurde enttäuscht, viele, viele Male. Sein Vertrauen wurde so oft missbraucht, sein Herz ist so oft gebrochen.

Dennoch ist er so herzensgut, vertrauensvoll, liebend.

Dennoch ist er so stark und so stolz.

Und dann schauen ihn die Menschen an und denken, der arme… der arme Kerl… der arme Hund.

Dieser Hund ist so viel reicher, als man es sich vorstellen kann.

Oft begegnen uns Hunde mit Narben, sichtbaren und auch unsichtbaren.

Oft begegnen uns Menschen mit Narben, sichtbaren und unsichtbaren.

Oft sehen wir Hunde mich Krankheiten, sichtbaren und unsichtbaren. Oft sehen wir Menschen mit Krankheiten, sichtbaren und unsichtbaren.

Sie sind nicht arm, sie sind niemals arm.

Wir lassen sie das viel zu oft fühlen, weil sie Makel haben, manchmal eben äußerlich, manchmal innerlich.

Weil sie nicht perfekt sind, obwohl das noch nicht einmal der eigene Anspruch an uns selbst ist.

Wir machen sie klein, wir machen sie schwach, wir machen sie arm.

Wir machen sie zu etwas, das sie nicht sind.

Alle, die von Narben und Krankheiten gezeichnet sind, egal ob innen oder außen, wären viel größer, viel stärker, überhaupt nicht mehr arm, wenn wir ihnen statt dieses mitleidvollen Blickes etwas anderes zuwerfen würden. Worte wie:

Ich habe niemals jemanden gesehen, der so reich ist wie du, viel reicher, als ich es mir vorstellen kann.

Du bist hingefallen, viele, viele Male. Und du bist aufgestanden. Jedes mal wieder.

Unter Schmerzen, unter Schreien, unter größtem Leid… bist du wieder aufgestanden.

Du wurdest enttäuscht, viele, viele Male. Dein Vertrauen wurde so oft missbraucht, dein Herz ist so oft gebrochen.

Dennoch bist du so herzensgut, vertrauensvoll und liebend.

Dennoch bist du so stark und so stolz.

Ich bin so wahnsinnig stolz auf dich! So wahnsinnig stolz!

Man muss es nicht einmal sagen. Es reicht ein Blick. Eine Umarmung. Ein Gefühl.

Es gibt weder arme Hunde, noch arme Menschen.

Das hat mir dieser Hund heute beigebracht.

Bei einem kurzen Spaziergang durch unseren Ort.

Nicola <3

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Heki, an dem nichts falsch ist.

Sie sagen ich sei falsch.Meine Fellfarbe sei falsch, viel zu dunkel, sehe gefährlich aus irgendwie.Meine Augen seien falsch, zu stechend der Blick, eindringlich, gruselig.Mein Aussehen

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